Des Kaisers neue Kleider
Ein Schlitzohr von einem Schneider näht dem Kaiser einen Anzug aus dem vorgeblich besten und feinsten Zwirn. In Wirklichkeit besteht der Stoff aus Luft und ist dehalb vollkommen durchsichtig. Da sich der König beim Anprobierem des Anzugs etwas bloß fühlt, äußer er Zweifel . Aber der Schneider schafft es, den König um den Finger zu wickeln. Er erklärt dem Kaiser, dass nur die klügsten Köpfe den Anzug sehen können. Der Kaiser, der selbst nicht zu den Schlauesten gehört, sieht die Gelegenheit unter seinen Untertanen ein Massenassessment der geistigen Fähigkeiten zu veranstalten. Er ordnet für den Staatsfeiertag eine Parade an. und zieht in seinen neuen Kleidern durch die Stadt. Die Bürger, scharf darauf, einen möglichst intelligenten Einduck zu hinterlassen, zollen dem König stehende Ovationen.Erst als ein Kind in der ersten Reihe laut ausruft, dass der Kaiser ja gar keine Kleider anhat, schlägt die Stimmung um. Alle bemerken, dass sie Opfer einer Täuschung geworden ist, hinter der sie blind hergelaufen sind. Die Pointe der Geschichte ist der Konformismus und Mutlosigleit der Protagonisten. Hat das eine besondere Aktualität? Nein, der Opportunismus ist zwar nicht ausgerottet aber das Sujet ist abgearbeitet. Wenden wir uns lieber dem Kind zu. Verdient es sich die Heldenrolle? Aus zwei Gründen, nein. Zum einen weil die Tatsachenfeststellung trivial ist. Zweitens das Kind in diesem Setting ein eigennnütziges Motiv. Sein Antrieb ist der blanke Narzissmus. Mit „Herr Lehrer, Herr Lehrer, ich weiß was,“ offenbart das Kind, daß es auf Kosten der der bloßgestellten Figuren Punkte sammeln will. Und dafür wird irgendwenn eine Rechnung kommen.
Die große Kunst in dieser Geschichte ist die Erkenntnis so diskret und konfliktvermeidend anzuwenden, daß die Gemeinschaft keinen unwiderruflichen Schaden davonträgt. Es gibt hierfür keine Musterlösung, aber vermutlich liegt sie der Kunst des Framings: Vielleicht so : He Leute, seht was für schöne Haare der König auf der Brust hat!