Andreas Schumann • 9. Juni 2026

Raban und die Eiche

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Raban und die Eiche

Das Vorstellungsgespräch mit der Fachabteilung war abgeschlossen. Man war sich in Aufgabenstellung und Rahmenbedingungen einig. Nun ging es durch die dunklen Flure des von Olbrich gestalteten Jugendstilgebäudes zum Abschlußgespräch beim Personalchef. Die Türen alle geschlossen, man begegnete keiner Person. An den Türschildern  prangten die Titel wie: DI Meyer, DI Schulz, DI Schneider, Dr. Berger. Hier gibt es aber viele Direktoren, schlußfolgerte er, als er das Büro von Dr. Raban v.S., dem Personalchef betrat. Man wurde sich schnell einig über die Modalitaten.

Von Schenk prahlte von seiner Karriere, daß er sich nie habe vorstellen können, eimal so viel zu   verdienen. Er endete im  Pathos: Herr Dr. S., wenn Sie nun bei der großen H. AG anfangen so ist es, wie wenn Sie eine große Eiche über ihre Wurzeln aufnimmt und Sie sich eines Tages als an einem Zweig entfalten.


Es war eine Fata Morgana. Sie suggerierten einen Determinismus von Karriere, der jegliche Initiative einschläferte. Die Eiche war eine Fiktion, und sie starb in dem Takt, in dem der Weltkonzern zerschlagen wurde. S aber lernte hieraus:  Messe Deinen Wert nicht an dem Score, den Du in deinem jetzigen Job erzielt hast, sondern am Wert Deiner Story am Markt. Mache Deinen Job solange, wie er Deine Fähigkeiten ausschöpft. Wechsle Deinen Job, bevor der Job Dich wechselt. Trainiere Deine Marktfähigkeit. Bewerbe Dich argumentativ. Überschätze nicht die Anforderungen einer angebotenen Position. Wenn Du Zweifel hast, ob Du den Job schaffst -  welcher Andere sollte es können? Und so gelang die berufliche Laufbahn ohne eine Beförderung.