Rabans Eichbaum
Rabans Eichbaum

Rabans Eichbaum
Das Vorstellungsgespräch mit der Fachabteilung war abgeschlossen. Man war sich in Aufgabenstellung und Rahmenbedingungen einig. Nun ging es durch die dunklen Flure des von Olbrich gestalteten Jugendstilgebäudes zum Abschlußgespräch beim Personalchef. Die kleinen Fenster erzeugten ein dämmriges Licht. Die Bürotüren waren alle geschlossen, man begegnete keiner Person. An den Türschildern prangten die Titel wie: DI Meyer, DI Schulz, DI Schneider, Dr. Berger. Hier gibt es aber viele Direktoren, schlußfolgerte er, als er das Büro von Dr. Raban v.S., dem Personalchef betrat. Man wurde sich schnell einig über die Modalitaten.
Von Schenk prahlte von seiner Karriere, daß er sich nie habe vorstellen können, eimal so viel zu verdienen. Er endete im Pathos: Herr Dr. S., wenn Sie nun bei der großen H. AG anfangen so ist es, wie wenn Sie ein großer Eichenbaum Sie über seine Wurzeln aufnimmt und eines Tages werden Sie sich als Blatt an einem Zweig entfalten.
S brauchte 7 Jahre um zu begreifen, daß es eine Fata Morgana war. Sie suggerierte einen Determinismus von Karriere, der jegliche Initiative einschläferte. Die Eiche war eine Fiktion, die in dem Takt erodierte, in dem der Weltkonzern zerschlagen wurde. S aber lernte hieraus: Messe Deinen Wert nicht an dem Score, den Du in deinem jetzigen Job erzielt hast, sondern am Wert Deiner Story am Markt. Mache Deinen Job solange, wie er Deine Fähigkeiten ausschöpft. Wechsle Deinen Job, bevor der Job Dich wechselt. Teste Deine Marktfähigkeit regelmäßig. Bewerbe Dich argumentativ. Überschätze nicht die Anforderungen einer angebotenen Position. Wenn Du Zweifel hast, ob Du einen Job schaffst - welcher Andere sollte es können? Und so gelang die berufliche Laufbahn ohne eine Beförderung.