Andreas Schumann • 3. Juni 2026

Hast Du mal Feuer

Hast Du mal Feuer?

"Hast Du mal Feuer"? Als das Rauchen noch nicht geächtet war, war dies die klassische Eröffnung. So kam man miteinander ins Gespräch und entdeckte gemeinsame Interessen. Das funktionierte natürlich nur bei Personen, die sich für Andere interessierten. Der etwas autistisch veranlagte S. hatte das Spiel nicht verstanden. Er pflegte in solchen Situationen die Frage zu wörtlich zu nehmen und antwortete wahrheitsgemäß "ich rauche nicht", wenn nicht "Wer küßt schon NikotinS. Bis heute hadert er mit den verpaßten Chancen seiner Jugend….
 
Dreißig Jahre später, es ging damals los mit den Smartphones. Sie hießen damals noch Palmtops. Gleiche Hauptfigur: S. Das Telefon klingelt. Am Apparat Herr F., der Aufsichtsratsvorsitzende. "Herr S, sie kennen doch bestimmt das MDA Pro von der Firma T? Ja, ja, das aus der Fernsehwerbung, das möchte ich haben. S erinnert sich an die Fernsehwerbung.Ein gutaussehender junger Herrn, man sieht ihm den beruflichen Erfolg an, betrittder die menschenleere Kneipet,und wartet  am Tresen auf sein Date.Er holt ein Gerät im Format eines Taschenrechners aus der Tasche, klappt es auf und tippt darauf herum. Und wie er so arbeitet,  kommt eine gutausehende junge Frau herein. Er packt sein MDA Pro zu, steckt es in die Manteltasche und widmet sich der Dame. Happy End".
 
„Ja, kenn ich“, sagt S. Aber  das ist Spielzeug. Meine Mitarbeiter haben das geprüft. Unsicher, nicht zu administrieren, Komplexität. Resümee: Wir bieten dem AR Vorsitzenden ein Notebook nach Standard an. Herr F erklärt  sich einverstanden und gut ist. Am nächsten morgen, 8 Uhr, wieder Herr F am Telefon. Was S sich denn einbilde, wenn er meint, dass alle in der Muttergesellschaft mit einem Notebook abgespeist werden sollen. Was S in seinem Zuständigkeitsbereich mache, sei ihm egal. Aber für die Holding gibt es nur das Beste und nicht irgend ein Standard. S möge sich nicht weiter bemühen, sein IT-Administator macht die Anschaffung jetzt selbst. Ende des Telefonats.

Noch Jahre später mahnte ihn sein Chef, Herr B. zu mehr GeschmeidigkeitS. S hat sie aber nie gelernt.So grübelt er bis heute, welche Chancen er in seinem Leben wohl verpaßt hat.