Die Anrufung des heiligen Herr Mann
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Sprache und Kultur prägen sich wechselseitig. Die Begriffe folgen den Gedanken und Transaktionen, die in einer Kultur vorgeschrieben, gestattet oder verboten sind. Die Grammatik folgt den Wechselwirkungen zwischen den beteiligten Agenten und deren Rollen. Die Form und Gestaltung der Sprache dient dazu, Subtexte zu vermitteln und Vogehensweisen ähnlich wie eine Marke im Unternehmen zu profilieren.
Eine handvoll Manager, alles Prokuristen und ermächtigt zu entscheiden und umzusetzen, sitzen am Tisch und müssen eine vertrackte Aufgabe lösen. „Man müßte nur…“ lautet der Tenor. Diese Konsensformel, wird immer dann gezogen, wenn sich die Agenten dafür entschieden haben, die Feststellung der eigenenen Unzuständigkeit als Beste aller Lösungen anzustreben. In der Diagnostik von Unternehmenskulturen ist das Vorkommen dieser Formel ein Indikator dafür, wie Verantwortung bewirtschaftet wird. Hier unterscheidet man zwischen Modellen der sanktionsbewehrten und konstruktiven Rechenschaft auf der einen Seite und der Vergesellschaftung bis hin zur Atomisierung von Verantwortung.
Mit „man“ schafft die deutsche Sprache die dedizierte Fähigkeit, Subjekte unserer Entscheidungen zu benennen, die es nicht oder noch nicht gibt und die vor allem nicht man selbst sind. Ihr vollständiger Name ist „Herrmann“ mit einer kurzen Pause dazwischen. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, daß man männlich ist. Im Konjunktiv wird der Notwendigkeit Rechnung getragen, den Lösungsweg, den der imginäre „ Herr Mann“ finden wird, nicht zu präjudizieren. Damit umschreibt der Konjunktiv in Verbindung mit der grammatikalischen Form der vierten Person Singular eine generische Lösungsmethode, die sich in Kulturen von Organisationen anreichert, in denen die B-Noten wichtiger sind als praktische Erfolg. Wer den Heiligen Hermann anruft, delegiert ins Leere.